Wie ist Nachhaltigkeit am Markt zu spüren?

Interview mit Dr. Beat Schwab, Head Real Estate Asset Management bei der Credit Suisse

Herr Schwab, was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Die Tatsache, dass wir die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen nur erhalten können, wenn wir schonend mit den Ressourcen umgehen, prägt mein Denken und Handeln sowohl persönlich als auch im Geschäftsleben. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umzugehen. Für das Real Estate Asset Management der Credit Suisse hat Nachhaltigkeit einen zentralen Stellenwert. Ich bin überzeugt, dass Immobilieninvestoren, die heute ihre Portfolios unter nachhaltigen Gesichtspunkten bewirtschaften, langfristig einen Marktvorteil haben. Nachhaltige Immobilien werden zukünftig vermehrt von einer verantwortungsbewussten Mieterschaft nachgefragt. Erkennbar ist dieser Trend bei internationalen, insbesondere amerikanischen Mietern, die sich verpflichtet haben, Büro- und Gewerbeflächen nur noch anzumieten, wenn diese einen hohen energetischen Standard aufweisen.

«Als Geschäftspartner spürt man, dass Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie von Implenia ist.»

Dr. Beat Schwab, Head Real Estate Asset Management bei der Credit Suisse

Wie empfinden Sie das Engagement der Implenia für nachhaltige und kundenorientierte Produkte?

Als Geschäftspartner spürt man, dass Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie von Implenia ist. Dies geht etwa aus dem umfassenden Nachhaltigkeitsbericht hervor. Das Unternehmen hat zudem schon früh Instrumente eingesetzt, um Projekte nachhaltig zu planen und zu optimieren, etwa das selbst entwickelte Bewertungstool GeNaB®. Um Investitionsentscheide zu treffen, berücksichtigen professionelle Investoren mittlerweile nebst der Rendite auch die Nachhaltigkeitsperformance eines Projekts. So sind auch wir an wegweisenden Projekten von Implenia beteiligt. Beispielsweise investieren gleich zwei Immobilienfonds – Credit Suisse Real Estate Fund Siat und Credit Suisse Real Estate Fund Green Property – in das Bauprojekt roy auf dem ehemaligen Sulzerareal in Oberwinterthur (siehe Kapitel 2.4.2).

Glauben Sie, dass Investoren bereit sind, für eine nachhaltige Immobilie mehr Geld auszugeben?

Nachhaltigkeit rechnet sich langfristig. Zwar liegen die Gestehungskosten nachhaltiger Gebäude zurzeit noch etwas über den Baukosten von „Standardbauten“. Aber ein Investor profitiert später von höheren Verkaufspreisen, höheren Mieteinnahmen sowie geringeren Leerstandsquoten. Auch Gebäudenutzer haben Vorteile, wie etwa geringe Betriebskosten sowie ein höherer Komfort. Diese Aspekte wirken sich positiv auf die Mieternachfrage aus. Ich bin sicher, dass nachhaltig erstellte Gebäude in Zukunft aufgrund der zu erwartenden steigenden Energiekosten weiter an Stellenwert gewinnen und zum Branchenstandard werden.

Sind denn die Kunden bereit, tiefer in die Tasche zu greifen für nachhaltige Bauten?

Es gibt zwar weltweit einige Studien, die eine höhere Zahlungsbereitschaft und damit den Mehrwert von nachhaltigen Immobilien nachweisen. Jedoch ist die Datenbasis oft nicht ausreichend und die Resultate sind nicht direkt auf die Schweiz übertragbar. Solche Studien sind mit Vorsicht zu geniessen. Hierzulande ist allerdings aufgrund der hohen Anzahl von Minergie-Gebäuden eine bedingte Aussage zur Zahlungsbereitschaft im Wohn-Segment möglich. Schätzungen zeigen, dass Minergie-Einfamilienhäuser mit einem Aufpreis von 4.9% bis 7% honoriert werden. Minergie-Neubauten verursachen gleichzeitig gegenüber konventionellen Neubauten im Schnitt um 6% bis 6.5% höhere Nettomieten.

«Wie zukunftsfähig ein Gebäude ist,
zeigt sich erst im Betrieb und bei der Überprüfung
einzelner Kennwerte.»

Dr. Beat Schwab, Head Real Estate Asset Management bei der Credit Suisse

Wo verfügt Implenia noch über Potenzial, um ihre Produkte zu optimieren?

Das Unternehmen ist im Hoch-, Tief- und Infrastrukturbau klar positioniert und hat in den letzten Jahren systematisch zu einer nachhaltigen Entwicklung im Baubereich beigetragen. Aber auch Implenia ist Teil eines längerfristigen Prozesses. Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen werden in Zukunft keine Alleinstellungsmerkmale mehr sein – sondern Mainstream. Die Herausforderung liegt darin, den Immobilieninvestoren transparente Daten für ihre Entscheide zur Verfügung zu stellen. Nebst Kosten und Rendite spielen in einer Betrachtung des Lebenszyklus auch graue Energie, CO2-Ausstoss und Endenergieverbrauch eine wichtigere Rolle. Zu oft werden Projekte heute noch mit Labels, Zertifikaten, Gütesiegeln und anderen nachhaltigen Qualitätsmerkmalen beworben, die nur eine Momentaufnahme darstellen. Wie zukunftsfähig ein Gebäude ist, zeigt sich erst im Betrieb und bei der Überprüfung einzelner Kennwerte.

en   l   fr