Gespräch über das neue Lieferanten­management der Implenia

Nachhaltiges Lieferantenmanagement – Es führt kein Weg daran vorbei

Implenia ist Anfang 2014 mit ihrem neuen Lieferantenmanagement live gegangen. Vor diesem Hintergrund trafen sich Vertreter von Implenia und der Ernst Schweizer AG, Metallbau zum Gedankenaustausch. Die Zürcher Firma ist einerseits als Zulieferer vom neuen System von Implenia betroffen, andererseits verfügt das Familienunternehmen mit Sitz in Hedingen über grosse Erfahrungen mit einem eigenen Lieferanten­management. Am Tisch sassen Jens Sasse, Leiter der Abteilung Procurement, und Michael Berger, Lieferantenmanager, von Implenia sowie Hans Ruedi Schweizer, Unternehmensleiter, und Martina Marchesi, Nachhaltigkeitsbeauftragte des Metallbauers.

Martina Marchesi, Nachhaltigkeitsbeauftragte Ernst Schweizer AG, Michael Berger, Lieferantenmanager Implenia, Jens Sasse, Leiter Procurement Implenia und Hans Ruedi Schweizer, Unternehmensleiter Ernst Schweizer AG (v.l.n.r.)

Herr Sasse, warum führte Implenia ein Lieferantenmanagementsystem ein?

Sasse: Als Bau- und Baudienstleistungsunternehmen, das bis zu drei Viertel des Umsatzes über Lieferanten und Subunternehmer generiert, ist Implenia besonders darauf angewiesen, dass Geschäftspartner unsere Standards und Ziele teilen, damit wir unseren Kunden qualitativ hochwertige Projekte termingerecht und innerhalb der angebotenen Kosten übergeben können. Deshalb haben wir den in der Industrie seit Jahren bewährten Prozess des Lieferantenmanagements für die Bauindustrie weiterentwickelt. Mit dem System, welches die Phasen Qualifizierung (Selbstdeklaration und Präqualifikation), Bewertung (Jahres- und Projektbewertung), Klassifizierung und Entwicklung (siehe Grafik) umfasst, wollen wir längerfristig unsere Beziehung zu bewährten Lieferanten und Subunternehmern festigen und auszubauen, kurzfristig aber auch Risiken minimieren.

 

Schweizer: Unsere Firma pflegt seit einigen Jahren ein ähnliches System. Die Lieferanten müssen sich einer Kurzbeurteilung unterziehen, welche unsere vier «Schweizer Erfolgspunkte» umfasst, also die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Mitarbeitende und Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaftlichkeit) sowie zusätzlich die Kundenorientierung. Am Anfang steht eine Selbsteinschätzung mit einem standardisierten Fragebogen, danach fragen wir individuell nach Details. Bei wichtigen Lieferanten führen wir zudem ein Audit durch.

 

Marchesi: Kein Unternehmen mit einem gewissen Einkaufsvolumen kommt heute darum herum, ein Lieferantenmanagement zu betreiben, wenn es Nachhaltigkeit ernst nimmt.

«Bei wichtigen Lieferanten führen wir ein Audit durch.»

Hans Ruedi Schweizer, Unternehmensleiter Ernst Schweizer AG

Was sind die Erfahrungen mit Ihrem Lieferantenmanagement, Herr Schweizer?

Schweizer: Es hat zu einer Konzentration der Zulieferer geführt. Wichtige Lieferantenbeziehungen konnten ausgebaut werden, aber nicht alle Geschäftspartner haben unsere Anforderungen erfüllt, und wir haben aufgrund des vertieften Kennenlernens in einigen Fällen festgestellt, dass die gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit fehlt. Insgesamt kann man sagen, dass die Geschäftsbeziehungen transparenter, enger und damit besser geworden sind.

 

Marchesi: Der Aufbau eines Lieferantenmanagements ist keine Aufgabe, die man in kurzer Zeit schafft. Deshalb sind wir froh, dass wir damit schon vor einigen Jahren begonnen haben. Wie jedes Unternehmen mussten wir erst den Weg finden, der am besten zu uns passt.

«Implenia ist darauf angewiesen, dass Geschäftspartner unsere Standards und Ziele teilen.»

Jens Sasse, Leiter Procurement Implenia

Herr Berger, wie reagierten denn die Lieferanten von Implenia auf den Fragebogen?

Berger: Wir haben den Prozess zunächst bei den wichtigsten Geschäftspartnern gestartet. Bis Ende April 2014 haben rund 50 Unternehmen den ersten Schritt, die Selbstdeklaration, abgeschlossen. Dabei zeigt sich, dass aufgrund der für die Schweizer Bauindustrie neuen Thematik, die Informationen bei den Lieferanten nicht immer in der geforderten Form vorliegen. In anderen Industrien gehört das Lieferantenmanagement zu den Standardprozessen und hat sich etabliert.

 

Schweizer: Das finde ich erstaunlich. Für uns stellte das Ausfüllen des Implenia-Fragbogens kein Problem dar, da wir unsere Hausaufgaben schon lange gemacht haben. Ich dachte, dass die von Implenia gestellten Fragen keinem Unternehmen Kopfzerbrechen bereiten.

 

Marchesi: Wir hätten uns sogar noch eingehendere Fragen gewünscht. Fragen, bei denen wir uns mit nachhaltigen Leistungen hätten profilieren können. Unser Unternehmen verbraucht beispielsweise fast gleich viel Energie wie vor dreissig Jahren, obwohl sich unser Umsatz inzwischen mehr als verdoppelte. Diese Energieeffizienz ist ein Merkmal unserer Produkte, und wir wünschten uns, dass Implenia solche Leistungen auch berücksichtigt.

 

Berger: Wir werden Nachhaltigkeitskriterien zukünftig stärker einbeziehen. Kurzfristig steht für uns die Risikominimierung im Vordergrund. Es braucht eine gewisse Zeit, bis sich das System etabliert hat und in Richtung nachhaltiger Profilierung weiterentwickelt werden kann.

 

Sasse: Es braucht Zeit, bis sich Lieferantenmanagementsysteme etablieren werden. Die entsprechende Kultur muss sich erst entwickeln. Die Vorteile werden aber bereits erkannt, weshalb bereits ein gewisses Umdenken stattfindet. Dies belegen diverse Projekte, welche die Implenia realisieren darf. Projekte wie die Wohnüberbauungen Neugrüen in Mellingen oder schorenstadt in Basel sind beste Beispiele hierfür. Wir sind überzeugt, dass sich mit steigenden Anforderungen an die Nachhaltigkeit Lieferantenmanagementsysteme in der Bauindustrie durchsetzen werden. Daran wird kein Weg vorbeiführen.

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